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Darmstädter Wirtschaft Echo Oktober / November 2010

Maßarbeit für den Allerwertesten

Sitzbank-Schmiede - Marc Steinike fertigt in Darmstadt in Darmstadt individuell angepasste Motorradsitze - Weil der Schuhmachermeister und begeisterte Biker für sich nicht fündig wird, macht er kurzhand ein Geschäftsmodell daraus

VON BARBARA GENSHEIMER

Der Wind bläst dem Fahrer ins Gesicht. Die Sonne lässt das Chrom der Harley blitzen, der Motor des Bikes brubbelt beruhigend vor sich hin. Vor dem Lenker der schnurgerade Highway. Der Duft von Freiheit und Abenteuer liegt in der Luft. Was jetzt kein Motorradfahrer brauchen kann, sind Schmerzen im Hintern, einen verkrampften Rücken oder verspannte Nackenmuskeln, weil die Sitzbank nicht richtig passt. Doch häufig ist genau das der Fall. Eine Erfahrung, die Marc Steinike, gerade 48 Jahre alt geworden,  selbst schon gemacht hat: „Es ist einfach schlecht, wenn man sich nach spätestens 200 Kilometern auf dem Bike ständig Gedanken um eine bequemere Sitzposition machen muss“, sagt der passionierte Motorradfahrer und Inhaber der „Sitzbank-Schmiede“ im Darmstädter Stadtteil Arheilgen. Vor rund 20 Jahren war der gelernte Orthopädie-Schuhmacher und Schuhmachermeister auf der Suche nach jemandem, der ihm seine unbequeme Motorradsitzbank umarbeitet. Doch er fand niemanden. Zwar gab es damals schon Alternativen im Zubehör-Handel. „Die waren auch besser als die Original-Sitzbänke, aber längst nicht individuell angepasst“, erinnert er sich. Also machte Steinike aus der Not eine Tugend – und arbeitete seine Sitzbank einfach selbst um. Aus seinem Handwerk brachte er die nötigen Kenntnisse über die menschliche Anatomie mit, wusste, wie man Polstermaterial und Bezüge aus Leder oder Kunststoff richtig zuschneidet und verarbeitet. Das sprach sich rum: Bald erhielt er erste vereinzelte Anfragen von anderen Bikern, die mit ähnlichen Problemen kämpften. Heute bearbeitet Steinike in seinem Ein-Mann-Betrieb etwa 170 Sitzbänke pro Jahr. In der 25-Quadratmeter-Werkstatt polstert er sie auf oder ab –  oder baut sie gleich ganz neu auf. Immer individuell an die Bedürfnisse des Kunden angepasst .Je nachdem, ob dieser einen Bandscheibenvorfall hatte, der Sozius schlecht sitzt oder die Sitzbank schlichtweg zu hoch ist, worunter vor allem Motorradfahrerinnen häufig zu leiden haben.

Alle Größen, Farben und Formen Ein Blick in Steinikes Katalog verrät, was in Arheilgen möglich ist: Sitzbänke in allen Größen, Farben und Formen, für Mofa oder Cruiser, Schachbrettmuster aus Leder, blau gestickte Flammen. „So was ist besonders aufwendig“, erklärt er. „Wenn man da  nicht ordentlich arbeitet, saugt sich der Sitz durch die Einstichlöcher der Stickerei mit Wasser voll.“ Üblicherweise kümmert sich eine Stickerei um mehrfarbige Adler, Schriftzüge oder Logos. Aber Arbeiten wie das blaue Flammenmuster auf schwarzem Leder übernimmt der Chef selbst. Trotz ihrer geringen Größe ist die Werkstatt gut ausgestattet: Vier Nähmaschinen stehen entlang einer Wand. Unter ihnen sogar eine Spezialmaschine, wie sie sonst eher Groß-Sattlereien verwenden, die Autositzbezüge fertigen. Was an diesem Gerät zuerst auffällt, ist der extrem lange Arm. „Die hat einen Radius von 67 Zentimetern, normal sind etwa 27“, weiß Steinike. Ideal, um steife Materialien wie Planen und Segel zu bearbeiten. „Eigentlich kosten die neu etwa 25 000 Euro, aber ich hab meine halb kaputt bekommen und sie repariert“, erzählt er lächelnd. Eine Maschine, die jedoch noch wichtiger ist, steht in einem winzigen abgetrennten Nebenraum: ein rund anderthalb Meter hoher Metallkasten mit zwei Schleifeinheiten und einer Absaugvorrichtung. Eine Spezialanfertigung. „Die habe ich mir von einer Schuhmaschinen-Firma für 7500 Euro bauen lassen, um die Sitzpolster ordentlich bearbeiten zu können.“ Wer in der Werkstatt den Blick nach oben richtet, entdeckt auf einem Zwischenboden Unmengen von grauen Verbund-Schaumstoffplatten. Ein unerlässlicher Rohstoff für die Arbeit des Sitzbank-Schmieds. Denn die Schwachstellen, die laut Steinike fast alle Motorradsitze haben, sind stets dieselben: Der als Polster verwendete Kaltschaum ist für die punktuelle Belastung nicht geeignet. „Bei Matratzen mag das gut funktionieren, weil die belastete Fläche sehr groß ist, aber bei Sitzbänken klappt es nicht mehr“, weiß Steinike. Eigentlich solle das Sitzpolster wie ein Stoßdämpfer wirken: Bei Bedarf muss es nachgeben und dann wieder in die Ausgangsposition zurückkehren. Weil die verwendeten Kaltschäume diese Eigenschaft jedoch nicht hätten, beginne der Fahrer auf dem Sitz zu schaukeln. „Irgendwann verkrampft man sich total, um das Schaukeln auszugleichen. Schmerzen sind da programmiert.“ Warum die Motorradhersteller ihren Kunden so etwas antun – dazu hat   Steinike eine Theorie, die er aus seinem Handwerk ableitet: „Wenn früher ein Schuh gemacht wurde, schaute man zuerst, was gebraucht wird. Dann überlegte man sich die beste Umsetzung. Und erst am Ende kam ein Verkaufspreis x heraus.“ Heute sei das genau umgekehrt, auch bei Motorradsitzbänken. „Da darf der Sitz von vorn herein nicht mehr kosten als so und so viel Euro. Der niedrige Preis ist das wichtigste. Dass dabei keine gute Qualität mehr herauskommt, ist klar.“

Langjährige Erfahrung auf dem Motorrad hilft Und genau da macht Steinikes Sitzbank-Schmiede den Unterschied: Er macht sich bei jedem Auftrag ein genaues Bild von Sitzposition und Anatomie des Fahrers. Am besten bei einem Besuch, notfalls auch per Foto. Dabei hilft ihm auch seine langjährige Erfahrung als Biker: Er weiß, wie das Motorradfahrer-Herz schlägt, er kennt die Wünsche seiner Kunden – egal, ob sie auf leichten Rädern, Rennmaschinen oder Choppern unterwegs sind.   Und sobald ein neues Modell auf den Markt kommt, sitzt der der Handwerksmeister drauf und überlegt sich, wo Probleme beim Sitzen auftreten könnten. „Das ist inzwischen eine richtige Manie“, gesteht er. Sind die Schwachstellen ausgelotet, entwickelt Steinike eine mögliche Lösung für die Probleme des Kunden. Nach ein bis zwei Tagen kann dieser die Rohversion seiner Sitzbank probesitzen. Kunden von weiter weg bekommen den Rohling per Post. Aber einfach mal kurz Platz nehmen, reicht Steinike nicht: „50 bis 70 Kilometer sollte man schon damit fahren, um den Sitz auch wirklich in sämtlichen Situationen zu testen.“ Erst wenn der Kunde sein endgültiges Okay gibt, macht der Handwerksmeister die Sitzbank fertig. Maximal 14 Tage braucht er für einen kompletten Auftrag. Während Steinike erzählt, läutet immer wieder das Telefon: Ein Kunde vereinbart einen Termin zum Probesitzen, ein anderer möchte wissen, wann er seine fertige Sitzbank abholen kann, ein Dritter braucht Hilfe, weil er beim Fahren zu weit nach vorne rutscht. Kundschaft kommt mittlerweile aus ganz Deutschland, aus grenznahen Regionen Hollands und Frankreichs, aus Österreich und der Schweiz. Sogar Iren und Italiener haben schon in Arheilgen Rat gesucht. Manche kommen sogar wieder, wenn sie sich ein neues Bike zulegen. Das war nicht immer so. Die Anfangsjahre waren vor allem eine Zeit des Experimentierens, der Entwicklung und Optimierung von Techniken: „Vieles wanderte auch in den Mülleimer“, erinnert er sich lachend. Zunächst waren die Sitzbänke auch nur ein Teil seines Geschäfts, in dem Steinike seit 1986 vorwiegend Schuhe reparierte, fertigte und Einlagen herstellte. Ein wenig Werbung und Besuche auf Messen sorgten jedoch irgendwann dafür, dass der Kundenansturm auf die Sitzbank-Schmiede zunahm und die alten Räumlichkeiten aus allen Nähten platzten. „Die Arbeit wurde außerdem immer mehr“, erinnert sich Steinike. Er musste eine Wahl treffen und entschied: „30 Jahre Schuhe sind genug.“

Nur wenige Wettbewerber Seit Januar 2009 betreibt er nun sein Geschäft in Arheilgen. Die Konkurrenz ist noch immer gering: Werkstätten, die ähnliches anbieten, könne man an zehn Fingern abzählen. Rund 60 000 Euro Umsatz macht der Darmstädter pro Jahr. Doch noch stehe er ja am Anfang, alles müsse sich noch einspielen. Und außerdem sei ihm der Spaß an der Arbeit sehr viel wichtiger als das Geldverdienen: „Ich bin auf alle Fälle dankbar für die Chance, mein Hobby zum Beruf machen zu können.“ Vor Herausforderungen schreckt er ohnehin nicht zurück: Vor gut zehn Jahren erfüllte er sich einen Lebenstraum und reiste nach Australien. 12 500 Kilometer mit einem Camping-Pickup quer durchs Land. Ein echtes Abenteuer, das auch Schattenseiten hatte. Immer wieder war er bei Problemen auf sich allein gestellt. Einmal fuhr er sich mit dem Wagen im Morast fest. Kein Mensch weit und breit, kein Handyempfang. „Ich war totel fertig“, erinnert er sich. Aber dann habe er es doch geschafft, sich zu befreien. „Sich am eigenen Schopf aus dem Schlamm ziehen zu können – das hilft auch im Geschäftsleben ungemein.“

Marc Steinike Marc Steinike wurde am 8. Oktober 1962 in Darmstadt geboren und wuchs in Griesheim auf. Er absolvierte eine Lehre zum Orthopädie-Schuhmacher und machte danach seinen Meister als Schuhmacher. 1986, mit gerade mal 23 Jahren, übernahm er sein erstes eigenes Geschäft: eine Schuhmacherei in Darmstadt. Als zu Beginn der neunziger Jahre das Reparaturgeschäft einbrach, sah Steinike sich gezwungen, auch Neuware zu verkaufen, um die Defizite auszugleichen. Etwa zur gleichen Zeit begann er, seine ersten Motorradsitzbänke passgenau umzuarbeiten. Weil sich dieser Nebenerwerb bald so gut etablierte und die drei Räume des Geschäfts im Woogsviertel nicht mehr ausreichten, zog Steinike 2008 nach Arheilgen um. Hinter dem Wohnhaus befand sich eine alte Polsterei, die er zu seiner heutigen Werkstatt umbaute. In der Garage steht ein Chopper, auf dem Steinike wann immer er Zeit hat Touren unternimmt – durch ganz Deutschland, in die Schweiz oder beispielsweise nach Italien, Portugal. Bis zu 9000 Kilometer kommen pro Jahr zusammen. Eine seiner beiden 24 Jahre alten Töchter aus erster Ehe ist ebenfalls begeisterte Motorradfahrerin.

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